Bielefelder Institut für frühkindliche Entwicklung, Diagnostik und Intervention e. V.

Gemeinsames Betrachten von Bilderbüchern

Wie bereits in Studien beschrieben, haben das gemeinsame Betrachten von Bilderbüchern und das Vorlesen vielfache positive Effekte auf die Sprachentwicklung und sogar auf die spätere Lesekompetenz Ihres Kindes.
Die Vorteile des gemeinsamen Buchbetrachtens liegen zum einen in der Situation an sich verankert: Wenn eine Bezugsperson mit Ihrem Kind ein Buch ansieht, so richtet sich ihre Aufmerksamkeit so wie die Aufmerksamkeit ihres Kindes in der Regel auf dieselben Inhalte. Beide haben also einen gemeinsamen Aufmerksamkeitsfokus, beispielsweise auf eine Katze, die gerade Milch trinkt. Ist dieser Fokus hergestellt, so lernen Kinder neue Wörter oder Phrasen viel einfacher. Denn das Kind weiß hierbei worauf sich der Satz, „Schau mal, die Katze trinkt Milch!“ bezieht, wenn es das einzige Bild ist. Möglicherweise zeigt die Bezugsperson gleichzeitig auf das Bild und ahmt anschließend ein Trinkgeräusch nach. So wird der Bezug für Ihr Kind noch viel deutlicher.

Der Vorteil liegt also auf der Hand: Im Gegensatz zu Alltagssituationen oder Filmen, in denen vielerlei Ablenkungen auf das Kind wirken, bietet das gemeinsame Buchlesen die Möglichkeit der eindeutigen gemeinsamen Fokussierung und der Bezugnahme auf Inhalte.
Viele Eltern kennen es sicher von ihrem Kind, dass es immer wieder dasselbe Buch oder eine bestimmte Stelle im Buch ansehen und vorgelesen bekommen möchte. Der Aspekt der Wiederholbarkeit beim gemeinsamen Buchlesen ist durchaus positiv zu betrachten. Denn für das Wortlernen braucht es Wiederholungen. Ein Buch und die sich darin befindlichen Bilder verändern sich nicht und Kinder können sich diese stetige Situation gut für das Wortlernen zu Nutze machen. Außerdem kann dasselbe Buch von verschiedenen Bezugspersonen mit dem Kind angeschaut und gelesen werden. Eine Studie hat gezeigt, dass ein neues Wort in einer Vorlesesituation besser gelernt wurde, wenn es immer wieder in dem gleichen Buch vorkam, als wenn es zwar gleich häufig, aber jeweils in einem anderen Buch vorgelesen wurde.

Mit sehr kleinen Kindern steht oftmals noch gar nicht das Betrachten der Bilder in einem Buch im Vordergrund, sondern das Entdecken des Blätterns. Das Buch wird also zunächst nach seiner Funktion erkundet und noch nicht symbolisch. Erst nach und nach kommen verschiedene Routinen hinzu, wie das Zeigen auf Bilder und das gleichzeitige Benennen sowie bestimmte Frageroutinen, mit denen ein Kind zu eigenen sprachlichen Äußerungen oder Zeigegesten eingeladen wird. Insbesondere das Stellen von Fragen in Verbindung mit einer Zeigegeste beim gemeinsamen Buchlesen scheint bei Kindern im zweiten Lebensjahr mit dem späteren Wortschatz zusammenzuhängen, wie in einer Studie gezeigt werden konnte.
Doch Buchlesen ist nicht gleich Buchlesen. Es gibt einige Punkte, die Eltern beim gemeinsamen Lesen beherzigen können, damit ihre Kinder noch mehr davon profitieren können. Dabei geht es nicht primär darum, ihrem Kind eine Geschichte vom Anfang bis zum Ende korrekt vorzulesen. Vielmehr können „Techniken“ eingesetzt werden, um die Situation für ein Kind noch wertvoller zu gestalten.

  • Sprachlich auf das eingehen, worauf das Kind gerade seine Aufmerksamkeit richtet, also wofür sich das Kind gerade interessiert
  • die Stimme verändern, um Spannung aufzubauen/Aufmerksamkeit wieder herzustellen
  • Zeigegesten einsetzen, um die Aufmerksamkeit auf das zu lenken, was gemeint ist
  • Geräusche einbauen (wie Tierlaute)
  • Neue Wörter betonen und in kurzen Sätzen bzw. an prägnanten Stellen im Satz nennen (z. B. am Anfang oder Ende)
  • Bewusst Pausen nutzen, um dem Kind Raum zu geben, sich und seine Interessen einzubringen
  • Offene Fragen stellen

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